Datum: 15.08.2001 02:35:35 Autor: Udo Teichmann ©
Ethik des christlichen Agitators


Ethik des christlichen Agitators
Lieber Amadeus,

zwölf Kardinäle und Bischöfe unter Führung von Kardinal Josef Ratzinger, unterstützt von einem Redaktionskomitee aus sieben Diözesanbischöfen sowie Fachleuten für Theologie und Katechse haben das Dokument vorbereitet, das anschließend zum Gegenstand einer umfangreichen Beratung aller katholischen Bischöfe auf der ganzen Welt, ihrer Bischofkonferenzen oder ihrer Synoden gemacht wurde und schließlich in seiner Endfassung von Papst Jahannes Paul II approbiert wurde. Aus diesem für jeden Katholiken verbindlichen Katechismus leitet sich die Ethik des "christlichen Agitators" ab.

Der christliche Agitator ist, anders als der profane Propagandist, an das 8. Gebot gebunden.
Die folgenden Passagen aus dem Katechismus der katholischen Kirche eignen sich gut als Meditationsimpulse für christliche Agitatoren:

Ziffer 2464: Das achte Gebot verbietet, in den Beziehungen zu anderen die Wahrheit zu verdrehen. Diese moralische Vorschrift ergibt sich auch aus der Berufung des heiligen Volkes, Zeuge seines Gottes zu sein, der die Wahrheit ist und sie will. In Worten oder Taten gegen die Wahrheit zu verstoßen, bedeutet eine Weigerung, sich zur moralischen Redlichkeit zu verpflichten; es ist eine tiefgreifende Untreue gegenüber Gott und untergräbt damit die Fundamente des Bundes.

Ziffer 2468: Die Wahrheit im Sinn des redlichen Handelns und aufrichtigen Sprechens heißt Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit oder Freimut. Die Tugend der Aufrichtigkeit oder Wahrhaftigkeit besteht darin, daß man sich in seinen Handlungen als wahr erweist, in seinen Worten die Wahrheit sagt und sich vor Doppelzüngigkeit, Verstellung, Vortäuschung und Heuchelei hütet.

Ziffer 2469: "Die Menschen können nicht in Gemeinschaft miteinander leben, wenn sie sich nicht gegenseitig glaubten, als solche, die einander die Wahrheit offenbaren" (Thoams v. A., ...) Die Tugend der Wahrhaftigkeit gibt dem anderen, was ihm zusteht. Sie bewahrt die rechte Mitte zwischen dem, was auszusprechen, und dem Geheimnis, das zu halten ist.

Ziffer 2475: Die Jünger Christi haben "den neuen Menschen" angezogen, "der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Eph. 4, 24). Daraus folgen die Ermahnungen: "Legt deshalb die Lüge ab" (Eph. 4,25) und: "Legt also die Bosheit ab, alle Falschheit und Heuchelei, allen Neid und alle Verleumdung" (1 Petr. 2, 1).

Ziffer 2477: Die Rücksicht auf den guten Ruf eines Menschen verbietet jede Haltung und jedes Wort, die ihn ungerechterweise schädigen könnten. Schuldig macht sich
- des vermessenen Urteils, wer ohne ausreichende Beweise, und sei es auch nur stillschweigend, von einem Menschen annimmt, er habe einen Fehltritt begangen;
- der üblen Nachrede, wer ohne objektiv gültigen Grund tatsächliche Fehler und Vergehen eines Menschen gegenüber Personen aufdeckt, die nichts davon wissen;
- der Verleumdung, wer durch wahrheitswidrige Aussagen dem guten Ruf anderer schadet und zu Fehlurteilen über sie Anlaß gibt.

Ziffer 2478: Um nicht vermessen zu urteilen, soll jeder darauf bedacht sein, die Gedanken, Worte und Handlungen seines Nächsten soweit als möglich günstig zu beurteilen. ...

Ziffer 2479: Üble Nachrede und Verleumdung zerstören den guten Ruf und die Ehre des Nächsten. Nun ist aber die Ehre das gesellschaftliche Zeugnis für die Würde des Menschen, und jeder besitzt das natürliche Recht auf die Ehre seines Namens, auf seinen guten Ruf und auf Achtung. Üble Nachrede und Verleumdung verletzen somit die Tugenden der Gerechtigkeit und der Liebe.

Ziffer 2482: "Die Lüge besteht darin, daß man Unwahres sagt in der ASbsicht zu täuschen" (Augustinus). Der Herr prangtert die Lüge als Werk des Teufels an: "Ihr habt den Teufel zum Vater ... Es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er, was aus ihm seklber kommt, denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge" (Joh. 8, 44).

In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti.