Datum: 12.07.2001 11:22:28 Autor: Udo Teichmann ©
Aufforderung an die Redaktion, rechtliche Schritte einzuleiten.
Wissen aus zweiter und dritter Hand
Liebe Mitdiskutanten,
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Und auch der sich hier um Ausgleich bemühende Herr Teichmann tut so, als ob er alles ganz genau wüßte, aber auch er hat es nur aus zweiter bis dritter Hand.
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Das ist wohl wahr. Ich war nicht dabei in Ravensbrück. Und ich hatte eigentlich sogar die Idee, in meinem letzten Beitrag noch ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß ich aus eigener Kenntnis keine Ahnung habe, ob es dort Gaskammern gegeben hat. Es schien mir aber auszureichen deutlich zu machen, daß man die Symbolik der Gaskammern überbewertet, wenn man meint, das Fehlen von Gaskammern machte aus einem verbrecherischen NAZI-KZ eine rechtsstaatliche Haftanstalt.
Die Forschungslage hinsichtlich des KZ Ravensbrück ist allerdings bedrückend schwach. Dies lag vor allem daran, daß es nach dem Krieg unter militärischem Regime der Sowjetunion stand und damit der historischen Forschung über vierzig Jahre lang praktisch völlig unzugänglich war.
Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück beschreibt die Quellenlage so:
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"Die militärische Nutzung des originären KZ-Geländes durch in Fürstenberg stationierte sowjetische Truppen sowie der beschwerliche bzw. unmögliche Zugang zu einer Vielzahl von Quellen (Archivalien u.a.) zum Frauen-KZ Ravensbrück behinderten in den Jahrzehnten der DDR-Gedenkstätte die Forschungen. Demgegenüber steht ein beeindruckendes Engagement von Ravensbrückerinnen verschiedenster Länder, über das KZ Ravensbrück zu sammeln, zu forschen und die eigenen Erfahrungen aufzuschreiben. So entstanden insbesondere in Polen und Frankreich sowie in der Sowjetunion Standardwerke zur Geschichte und zum Geschehen im Frauen-KZ Ravensbrück. In der DDR war es unter anderen Erika Buchmann, die solch ein erstes Standardwerk veröffentlichte und ihre „Kameradinnen" ermunterte, die „Erlebnisse" niederzuschreiben. Diese mehr als 1.000 Niederschriften liegen als sogenannte Erlebnisberichte vor. Trotz aller subjektiven Betrachtungsweisen zählen sie heute zu den wichtigsten Quellen für die Erinnerungen an das Frauen-KZ Ravensbrück. Darüber hinaus haben erste Besuche in russischen Archiven zu der Erkenntnis geführt, dass die Rote Armee seinerzeit Unterlagen der SS vorgefunden und gerettet hat, während die SS selbst unmittelbar vor der Befreiung des Lagers große Mengen von Akten verbrannt haben soll. Inzwischen haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück Recherchen in diversen Archiven durchgeführt, insbesondere in Ludwigsburg, Koblenz, Potsdam und verschiedenen Berliner Archiven, aber auch in Archiven im Ausland. Ein eminent wichtiger Quellenbestand sind die Prozessunterlagen gegen das Ravensbrücker SS-Personal, die vor allem in Hamburg, Rastatt, Rostock und weiteren Orten geführt wurden.
Wegen der oben geschilderten Situation muss eine umfassende und fundierte Monographie zur Geschichte des Frauen-KZ Ravensbrück erst noch geschrieben werden. Über zahlreiche neue Fragestellungen und Forschungsschwerpunkte versucht die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zunächst in der Grundlagenforschung voranzukommen. Schwerpunkte waren etwa die Biographienforschung, die Entstehungs- und Baugeschichte des Frauen-KZ, der Lageralltag, die Kinder im Frauen-KZ oder die Befreiung 1945.
---tatiZ---
Quelle: xxxxx://www.ravensbrueck.de/deutsch/forschung/index.htm
Wo historische Forschung so intim auf menschliche Traumata und moralische Abgründe stößt, gerät sie an die Grenzen ihrer Kunst. Sie muß sich in jedem Fall streng an objektivierbare Kriterien, an methodische Sauberkeit halten. Moralische Erwartungshaltungen haben da nichts zu suchen.
Die Diskussion hier ist aber nicht aus historischem Interesse angestoßen worden. Der Initiator dieser Diskussion erweist in seinen Ausfällen gegen Andersdenkende sein politisch-emotionales Interesse daran, möglichst irgendwelche irrigen Detailangaben aufzustöbern, um damit einen Hebel zu gewinnen, die Verbrechen der NAZIs, insbesondere aber die völkermörderischen Verbrechen unter der Herrschaft des Nationalsozialismus als mit falschen Beweisen den Deutschen nur unterschobenen Mythos hinzustellen.
Im Jahre 2001 ist wohl jeder von uns über Details des KZs Ravensbrück auf Informationen aus zweiter und dritter Hand angewiesen. Nachdem ich die oft stockend und ungelenk vorgetragenen Erlebnisberichte ehemaliger Insassen gelesen habe, vertraue ich eher solchen zitternden Händen, als dem auf wissenschaftlich geschniegelten braunen Kalkül von glatten Revisionisten.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann