Datum: 18.08.2000 16:53:18 Autor: Udo Teichmann ©
Müntefering, Meister der Rabulistik


Der Job der Generäle
Liebe Mitdiskutanten,

Generalsekretär einer großen politischen Partei zu sein, ist ein elender Job. Im Laufe der Geschichte haben sich etliche "Generäle", sobald sie ein bißchen eigenes Profil hatten, so betätigt, wie es wohl ihres Amtes sein soll: Polarisieren, Wandenbeißen und jede Tagesnachricht in eine Hetzschlagzeile gegen den politischen Gegner umzumünzen.

Selbst Leute mit Statur haben sich zu solchen niederen Diensten hergegeben, wenn man nur einmal an die perfiden Sprüche etwa von Geisler in seiner Zeit als Generalsekretär denkt.

Herr Müntefering fällt dabei nicht aus der Rolle des Normalen. Ich glaube nicht daran, daß solche Sprüche einer Partei nutzen. Wohl nur die ganz strammen eigenen Parteigänger können sich an solcher Verschandelung der politischen Kultur laben. Dabei sind Müntefering und Polenz, die beiden gegenwärtigen Generale, noch nicht einmal von der ganz schlimmen Sorte: es ödet trotzdem ziemlich an.

Niemandem fiele ein Zacken aus der Krone, wenn man auch Kohl seinen ganz persönlichen Beitrag zur Wiedervereinigung fair zugestehen würde. Aber Kohl macht es uns durch die Art, wie er mit seinen eigenen Verfehlungen im Spannungsfeld zwischen Regierungschef und Parteivorsitzendem umgeht, sehr schwer, ihm selbst den Mindestrespekt für ein Glanzstück seiner Regierungszeit zu erweisen. Er bringt dadurch auch faire Beobachter in die unselige Situation, die Nietzsche gegenüber Bettlern formulierte: "Bettler sollte man ganz abschaffen! Man ärgert sich, ihnen zu geben, und man ärgert sich, ihnen nicht zu geben." So geht es mir auch mit Kohl. Man ärgert sich, ihm die Anerkennung zu verweigern, die ihm als einem maßgeblichen Mitgestalter der Vereinigungspolitik gebührt, und man ärgert sich, ihn als gar nicht reuigen Sünder bei einem so bedeutenden staatlichen Feiertag eine offizielle Rede halten zu sehen. - Wir können ihn aber auch so wenig ganz abschaffen, wie Nietzsche seine Bettler ganz abschaffen kann.

Kohl bringt diese Gesellschaft durch sein Verhalten in eine staatspolitisch äußerst unbequeme Situation. Und damit trifft ihn eine viel größere politisch-moralische Schuld als Müntefering mit seiner Äußerung, die ich allenfalls in die "generalspezifische" Ebene mieser Wadenbeißerei einordnen würde.

Bedauerlich an dieser Diskussion finde ich zwei Fehlleistungen:

1. Tom hantiert hier wie ein Taschenspieler mit Unterstellungen und verweist - um Belege für seine Unterstellungen aufgefordert, pauschal auf das Wissen der Menschheit, oder alle Beiträge im Forum, oder Artikel in allen Zeitungen, er steht also regelmäßig ohne konkrete Belege für seine gezielten Unterstellungen da. Wenn er diesen Stil beibehält, kann man ihn als Diskutanten nicht ernst nehmen.

2. Tim Fabian Kloss hat sich hier zu derart menschenverachtenden Äußerungen über den politischen Gegner Müntefering hinreißen lassen, die tiefer blicken lassen als Tim lieb sein kann. Mir ist schleierhaft, wie er diesen Makel in diesem Forum jemals wieder loswerden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann