Lieber Amadeus,
Du hast einfach kein Gespür dafür, wie deplaziert Deine Konfessionshetze hier ist. Der Papst selbst geht hin und spricht das "mea culpa" der Kirche - mit allen Einschränkungen die das Amt erfordert - und Du findest nichts wichtigeres zu tun, als in diese Bitte des Papstes um Verzeihung hinein plötzlich lauthals historisch hahnebüchene Beschimpfungen Luthers und der Lutheraner vom Zaun zu brechen.
Luther hat zu seiner Zeit nicht anders über die Juden gehetzt wie seine katholischen Widersacher. Es ist einfach völlig asymmetrisch, daraufhin ganz besonders der Luthertradition den Weg zur modernen Judenvernichtung durch die NAZIs anzulasten, während der Ungeist des Antijudaismus - und zwar in jeder beliebig pervesen und gewaltbereiten Version - gemeinsames Erbe der Christenheit ist. Deine Behauptung, nur Luther hätte zu Mord und Totschlag gegen die Juden aufgerufen, ist schlicht falsch. Noch 100 Jahre nach Luther hat in erzkatholischer Tradition die polnische katholische Geistlichkeit zu einer wüsten Welle der Judenverfolgung aufgehetzt: Daraufhin sind 1648 in ganz Polen etwa 200.000 Juden von Katholiken tatsächlich umgebracht worden.
Dieses jahrhundertelange gemeinsame christliche Erbe verbietet, hinsichtlich der 12 Jahre NAZI-Terror die Lutheraner aus unserer gemeinsamen christlichen Verantwortung herauszusortieren , um Munition für einen absurd altmodischen Konfessionsstreit zusammenzustöpseln.
Also, krieg' Dich wieder ein und tu was für die Ökumene.
Mit freundlichen Grüßen Udo Teichmann
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