18.3.2003
Wieder geht eine Welle der Vermarktung von Algen über das Land. Wieder sind die Algen gut zur "Entgiftung" (gegen alles, angefangen bei Amalgam bis zu Umweltgiften aller Art), zur "Reinigung", zur "gesunden Ernährung" ... bis hin zur "Wellness" (dem Modedumpfwort dieser Jahre).
Dabei kann schon ein Erstklässler beweisen, welche Fußangeln die Werbung enthält.
Nehmen wir ein aktuelles Beispiel:
Im Forum von http://www.mlm-news.de (http://www.mlm-news.de/cgi-bin/ubb/ultimatebb.cgi) wirbt seit Monaten ein Rainer Bünning für Algen: im "Schamlosen" (http://www.mlm-news.de/ubb/ultimatebb.php?ubb=forum;f=9) , dem Subforum für Reklame:
------------------------------------------------------------------------------- * Das schamlose Werbeforum Autor Thema: Denken Sie auch nur und dauernd an die Rente Rainer Buenning Mitglied Benutzer # 177 Bewertung: erstellt am: 02-01-2003 02:17 Oder wollen Sie im Network-Marketing erfolgreich werden? - Ob nun heute, am 02.01.2003, oder am 06.01.2003, oder am 24.02.2003, ist piepe. Entscheiden sollten Sie sich dann halt mal ... Wir* bieten Spirulina, natürlich vom Feinsten, natürlich, aus China, mit frischem Quellwasser genährt ... [...] Rainer Bünning -------------------------------------------------------------------------------
(gezippte Beweisstücke: ama_alg4.zip)
Die Algen sind, so behauptet Rainer Bünning, "mit frischem Quellwasser genährt".
Aber ist das die ganze Wahrheit?
Algen werden nicht aus irgendwelchen Bächen gefischt, sondern industriell gezüchtet. Dabei benötigt man Wasser.
Wasser ist jedoch nur einer der vielen Rohstoffe, die man für die Algenzucht braucht. Das werde ich gleich noch zeigen.
Bleiben wir aber erst einmal bei der Behauptung "mit frischem Quellwasser genährt". Welchen Eindruck erweckt diese Behauptung? Doch sicher den, die Algen würden auf natürlichem Weg und ausschließlich mit "Quellwasser" ernährt, wobei durch das Wort "genährt" diese Ausschließlichkeit unterstrichen wird.
Die Bezeichnung "frisches Quellwasser" (Zitat Rainer Bünning!) suggeriert die Vorstellung sauberen, reinen Wassers.
Bleiben wir bei dieser Vorstellung, wie sie auch in vielen Naturfilmen gezeigt wird. Was finden wir dann in den derart reinen Quellen? Fast nichts!
Der Grund dafür ist sehr einfach: Das reine (!) Quellwasser enthält kaum Nährstoffe. Folglich enthält es auch kaum Algen!
Algen brauchen für ihr Wachstum Nährstoffe. Berüchtigt sind die "Algenblüten", bei denen durch zu viel Nährstoffe (zum Beispiel Phosphate aus Waschmitteln) die Algenpopulationen "explodieren" und die (ohne die Algen klaren) Wässer zu einer trüben Brühe machen.
Das weiß ein Erstklässler aus Radio und Fernsehen.
Könnte er lesen, wüßte er aus den Büchern in der Bibliothek oder aus dem Internet, wie Algen gezüchtet werden.
Industrielle Algenzucht ist eine Aufgabe der Verfahrenstechnik: reiner (Groß)anlagenbau. Algen züchtet man in Bioreaktoren. Man kann es auch in Außenbecken tun, muß dann aber bestimmte Randbedingungen beachten.
Um die Algen wirtschaftlich möglichst ergiebig zu züchten, muß man sie in den Bioreaktoren optimal versorgen. Temperatur, ph-Wert, Nährstoffe, Licht - all das muß sauber eingestellt werden. Die Werte dieser Parameter ermittelt man in Versuchsreihen. In Asien forscht man seit Jahrzehnten an der Algenzucht. Eine klare Erkenntnis, wiedergegeben in einem Forschungsbericht aus dem Jahr 1993, lautet:
------------------------------------------------------------------------------- Journal of the Chinese Agricultural Chemical Society (February, 1994) 32(l): 91-102 Factors Affecting the Mixotrophic Maximum Growth of Chlorella pyrenoidosa Liang-Ping Lin* and Tsute Chen Graduate Institute of Agricultural Chemistry National Taiwan University Taipei, Taiwan 106, R. 0. C. (Accepted for publication: October 29, 1993) To obtain the economic benefits of biomass production, the maximum growth rate of Chlorella pyrenoidosa NT-11 under a high cell concentration (PCV >1 ml/l) was induced by use of the mixotrophic culture method in a 2-liter jar-fermentor system. -------------------------------------------------------------------------------
Das Wachstum von Algen beruht auf 2 Grundlagen:
Bei einzelligen Algen ist ganz besonders die Reproduktion wichtig. Aber Algen sind störrisch: Überschreitet ihre Dichte ("PCV") eine gewisse Menge Algenrohmasse pro Liter, geht die Reproduktion fast auf Null.
------------------------------------------------------------------------------- Chlorella has been cultivated for economic purposes for many years(1,2), 21. The first basic work on the growth rate of mass cultured Chlorella was reported by Tamiya et al.(3) It is important, though difficult, to optimize mass-culture conditions for a high output rate and a high product yield when cultivating Chlorella outdoors. Although the maximum specific growth rate (Umax) of Chlorella cells at the logarithmic stage is quite high, whether in autotrophic, heterotrophic, or mixotrophic incubation(4,5), this means little for mass production of microalgae, because high growth rate is only possible under extremely low cell density (e.g., PCV< 1 ml/l)(6). As long as density is higher than PCV> 1 ml/l, growth will be very slow because cells do not reproduce in an exponential rate. It is still necessary, however, to maintain high cell density in a mass culture of Chlorella for the purpose of high biomass output rate as well as to reduce the cost of harvesting. -------------------------------------------------------------------------------
Bei der in diesen Experimenten untersuchten Alge "chlorella pyrenoidosa" ist die magische Grenze 1 Kubikzentimeter Algenmasse pro Liter Nährlösung. Von den Versuchen wird berichtet über eine Steigerung auf mehr als das 80-fache!
------------------------------------------------------------------------------- The mixotrophic culture in the Roux-bottle (flat flask) system reached a maximum growth rate of PCV 4ml/l/day while the autotrophic growth without supplemental acetic acid had a lower growth rate of PCV 2.5 ml/l/day. In the jar-fermentor system, a mixotrophic maximum growth rate of up to PCV 20ml/l/day and a final cell density higher than PCV 80ml/l were obtained under the conditions of 25 Grad Celsius, 10 Klux light intensity, and pH 6.5 for the medium. -------------------------------------------------------------------------------
Zu den wichtigen Randbedingungen gehören erhebliche Mengen an Dünger, Licht und Säure!
Die Daten entnehmen Sie bitte http://www.cili-bao.co.za/Research/Research_Factors%20Affecting%20the%20Mixotrophic%20Maximum%20Growth%20of%20chlorelia%20purenoidosa.htm
(Für den Fall, daß diese Web-Seite aus "unerklärlichen
Gründen" plötzlich verschwindet (wie so manche...):
gezipptes Beweisstück: ama_alg5.zip)
"chlorella pyrenoidosa" ist übrigens jene Alge, die seit Jahren von Dietrich Klinghardt und inzwischen auch von der PR-Firma Kaske beworben - und von Klinghardt's Firmen verkauft wird.
Die industrielle Massenproduktion von Algen läuft in Asien in großem Stil. Der größte Hersteller für "chlorella pyrenoidosa" ist Taiwan-Chlorella: (http://www.taiwanchlorella.com) mit einer Produktion von mehreren Hundert Tonnen getrockneter Chlorella-Algen pro Jahr.
Es kann nichts geerntet werden, was nicht auf die eine oder andere Weise in die Produktionstanks gekommen ist. Die in den chemischen Analysen der Algen angegebenen Spurenelemente (die ja so wichtig sind), sind unmöglich in diesen Mengen im "frischen Quellwasser" enthalten.
Es bedarf großer Mengen Kunstdünger, vielleicht aber auch Gülle, um die Produktionsmengen zu erreichen. Von "natürlich" kann also keine Rede sein.
Algenzucht ist und bleibt eine großtechnische, industrielle Massenproduktion. Diese Massenzucht und ihre die großtechnische Weiterverarbeitung haben selbstverständlich Folgen: Die Algen unterscheiden sich deutlich von denen in wirklich natürlichem Milieu aufgewachsenen Exemplaren, was bei chemischen Analysen und Aufnahmen mit dem Elektronenmikroskop deutlich sichtbar wird, siehe:
Aribert Deckers
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Aribert Deckers